Vetsuisse-Fakultät

Fakultät
Studium und Ausbildung
für Dozierende
für Mitarbeitende
Forschung
Events
Agenda
Der Dekan gratuliert
Medienbeiträge
Tierspital  

Summer School 2011

Tierärztinnen und Tierärzte im Karrierefieber

Es war spannend wie ein Krimi, wir sassen da mit immer grösser werdenden Ohren. Ob es Götter sind? Nein, auch sie sind Menschen. Die sechs Referentinnen und Referenten, welche uns an diesem Samstagmorgen an der Summer School über ihr Leben berichteten, hatten mit denselben Hürden, Hindernissen und Ängsten zu kämpfen wie wir Studentinnen und Studenten schon während des Studiums.

Die Summer School 2011 fand vom 8. bis 9. Oktober in Nottwil am Sempachersee statt. Sie wurde moderiert von Stanislaw Bukowiecki und geleitet und organisiert von Thomas Lutz und Nicole Borel. Die Summer School ist ein Angebot der Vetsuisse-Fakultät (finanziert von Bolognageldern&VetMENT), das Veterinärmediziner ab dem 3. Studienjahr und Doktorierende/Assistierende über Karrieremöglichkeiten informieren soll und jährlich angeboten wird. Um daran teilnehmen zu können, muss vorgängig eine Bewerbung in Form eines Motivationsschreibens eingereicht werden. Es nahmen 12 Studierende und 7 Doktorierende der Vetsuisse-Fakultät Zürich und Bern teil.

Sechs Referenten, welche sich auf dem Höhepunkt ihrer akademischen Karriere befinden, berichteten von ihrer Laufbahn:

  • Prof. Dr. med. vet. Patrick Kircher, Vetsuisse-Fakultät Universität Zürich, Bildgebende Diagnostik
  • Prof. Dr. med. Beatrice Beck Schimmer, Universität Zürich, Physiologie
  • Prof. Dr. med. vet. Claudia Spadavecchia, Vetsuisse-Fakultät Universität Bern, Anästhesiologie
  • Prof. Dr. med. vet. Reto Neiger, Justus-Liebig-Universität Giessen, Kleintiere, Innere Medizin
  • Prof. Dr. Dr. Ralf Einspanier, Freie Universität Berlin, Veterinär- Biochemie
  • Prof. Dr. med. vet. Bernhard Kaltenboeck, Auburn University, Pathobiologie

Eine Karriere kann man nicht planen, keiner von Ihnen hat eine geplant und wenn doch, dann kommt es garantiert anders als gewollt. So auch Patrick Kircher, der sein Weg als zackig und von Umwegen, Sackgassen und Ecken gespickt beschreibt. „Glaube und höre auf Dich selbst und gehe deinen Weg. Es ist machbar!“ legte Kircher uns ans Herz.

Leidenschaft, Glück, sich Einsetzen und Familie. An das denkt Claudia Spadavecchia, wenn sie von der akademischen Karriere spricht. Man braucht Leidenschaft und Freude, um sich intensiv einem Thema widmen zu können. Sie war schon früh fasziniert von der Anästhesie: „Unglaublich, wie ein Medikament Lebewesen innerhalb von Sekunden in einen so anderen Zustand versetzen kann.“ Heute arbeitet sie mit grosser Freude an der Vetsuisse Fakultät Bern als Anästhesiologin, während sie sich zu Hause um die Betreuung ihrer zwei Kinder kümmert.

Ein unglaublich abwechslungsreiches Leben hat Beatrice Beck Schimmer. Sie arbeitet im Bereich der Humanmedizin als Forscherin, Klinikerin, Mentorin und als Mutter. Wenn es in einem Bereich mal nicht so klappt, wie sie es gerne hätte, dann hat sie noch weitere Pfeiler, auf welchen sie Stand hat. Das Wichtigste dabei gemäss ihrer Aussage: Sie hat nie ihre Seele verkauft, blieb sich stets selbst treu und war immer offen für Neues.

Unterschiedliche Wege führen nach Rom

Der Weg einer akademischen Karriere beginnt mit dem Veterinärmedizinstudium und gabelt sich anschliessend in verschiedenste Richtungen.

blatt3
Einige machen das Internship direkt nach dem Studium, anschliessend das Residencyzum European CollegeExamen um darauf in die Praxis zu gehen oder an der Uni zu dozieren. Andere haben erstmal genug von der Uni und wählen die Praxis ausserhalb vom Tierspital. Manche kehren jedoch wieder zurück, um sich neuen Herausforderungen zu stellen. Eher selten kommt das PhD zur Sprache. Das PhD-Programm dauert mindestens drei Jahre und für die Aufnahme wird das Staatsexamen vorausgesetzt. Es ist eine wissenschaftliche Ausbildung mit Forschungshintergrund und zielt auf eine Laufbahn in der Forschung und Industrie. Der Facharzttitel FHV dagegen richtet sich vor allem an Tierärzte, welche in einer Praxis tätig sein und sich auf einem Fachgebiet spezialisieren, möchten. Die Ausbildung zu diesem Titel ist weniger intensiv als der des European College und wird von den Fachsektionen Wiederkäuermedizin, Schweinemedizin, Kleintiermedizin, aber auch Tierpathologie, Lebensmittelhygiene und Veterinär-Labordiagnostiker verliehen. Der Weg der akademischen Karriere über einen Facharzttitel, wird allerdings nicht empfohlen, es ist aber je nach „Philosophie“ eines Institutes möglich, den Einstieg in die Uni wieder zu finden.


Welcher Karriereanker Typ bist Du?

Bist Du unternehmerisch und kreativ oder liebst Du die totale Herausforderung?

Um für uns selbst die eigenen handlungsleitenden Motive für eine Karriere herauszufinden, setzten wir die Methodik des Karriereankers ein, welche 1990 von Edgar Schein entwickelt wurde. Diese Methode basiert auf einem Fragebogen und einem Interviewleitfaden und erlaubt Aussagen über Motive, welche für uns wichtig sind. Dies zu wissen ist besonders in beruflichen Entscheidungssituationen wichtig.

Die Acht Karriereanker

  • Technische/funktionale Kompetenz
  • General Management
  • Selbständigkeit/Unabhängigkeit
  • Sicherheit/Beständigkeit
  • Unternehmerische Kreativität
  • Dienst oder Hingabe für eine Idee oder Sache
  • Totale Herausforderung
  • Lebensstil-Integration
blatt 2
Der absolute Sieger unter den Veterinärmedizinern war die Lebensstil-Integration. Uns ist es wichtig, die Familie und den Beruf unter einen Hut zu bringen. Weiter lieben wir die Totale Herausforderung und die technische Fachkompetenz, hegen aber starke Abneigungen dem General Management gegenüber.

Diskussionsrunde

Eifrig beteiligten sich die Teilnehmenden an der Diskussionsrunde zu Themen wie Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Mobilität und den Voraussetzungen für eine akademische Karriere.

Die Familie ist ein zentraler Punkt, vor allem für Frauen welche eine Karriere anstreben. Ist es möglich, neben der akademischen Karriere Kinder gross zu ziehen? Ja, es ist möglich. Prof. Beatrice Beck Schimmer und Prof. Claudia Spadavecchia machen es uns vor. Wann ist denn der ideale Zeitpunkt, um Kinder zu bekommen? Einige äusserten sich dahingehend, dass der Zeitpunkt nie ideal sei und behaupten deshalb: egal wann, es ist machbar. Den „idealen“ Zeitpunkt gebe es nicht. Tatsache ist, dass die meisten Akademiker eher im reiferen Alter eine Familie gründen. Von grosser Bedeutung ist, einen Partner zu haben, der einen unterstützt. Und wir selber sollten bereit sein, Kompromisse einzugehen.

Mobil oder gebunden an Ort? Während einer akademischen Karriere kann es von Vorteil sein, Neugierde und Interesse zu haben, fremde Menschen und deren Kulturen zu begegnen und kennenzulernen. Denn nicht jedes Fachgebiet wird vor Ort angeboten. Auslandserfahrungensind von grosser Bedeutung, dabei wird auch der eigene Horizont erweitert. Das Knüpfen von Kontakten durch Praktikas oder Erasmus-Semester erleichtern einem die Entscheidung wo man hin will.

IMG_2488
Voraussetzung für eine akademische Karriere sind primär Interesse, Neugierde und Durchhaltewille. Die Bereitschaft, sich der Herausforderung zu stellen und den Willen zur Weiterentwicklung durch unablässiges Lernen. Im Beruf begegnen wir unausweichlich Misserfolgen, die aber als Entwicklungsprozess für sich selbst angesehen werden können. Der Mensch wächst oft gerade durch den Widerstand. Zur Entwicklung gehört kritikfähig zu sein, Kritik als Feedback annehmen zu können. Feedback auf eine humane Art und Weise geben zu können gehört ebenso dazu. Der Erfolg kommt aus der Freude und Leidenschaft, sich intensiv mit einem Gebiet zu befassen, sozusagen als Nebenwirkung. Wie bereits Mihály Csíkszentmihályi in seinem Buch „Flow“ geschrieben hat, sollte die eigene Leidenschaft im Vordergrund stehen und der Erfolg nicht unbedingt als oberstes Ziel angestrebt werden. Und nicht zuletzt gilt während der ganzen Karriere: Wer schon gefördert wurde, wird eher wieder gefördert.

Der Samstag neigte sich schon bald dem Ende zu. Nach dem Nachtessen fand sich die ganze Gruppe in der Hotelbar wieder. Bei netten Gesprächen liessen wir den Tag ausklingen. Den Sonntagmorgen begannen wir in derselben Manier undeinem leckeren Frühstück. Kurz darauf gingen die Präsentationen mit “Stani” weiter. Ein Hauptthema des Morgens war, die akademische Karriere durch Abwägung von Pros und Contras genauer unter die Lupe zu nehmen.

Hier eine Zusammenfassung der Hauptpunkte:

VORTEILE

  • Flexibilität / selbständige Arbeit ( Autonomie )
  • Kombination von Forschung und Klinik möglich
  • Forschungsfreiheit
  • Wenig Routine
  • Jobsicherheit
  • Umgang mit jungen Leuten, z.B Förderung dieser
  • Tägliche “Challenge”
  • Internationale Vernetzung
  • Man ist “gefragt” ( d.h. Fachwissen, Spezialistenruf )

NACHTEILE

  • Langer Weg nach Oben ( damit ist v.a das Finanzielle “Oben” gemeint )
  • Der Aufstieg kann durch Konkurrenz und andere Dinge zusätzlich verzögert werden
  • Rückkehr- und Umsteigmöglichkeiten verlängern ev. den Weg ans Ziel
  • Industrie vs. UNI ( an der Uni verdient man nur etwa halb so viel, dafür hat man in der Industrie wenig Forschungsfreiheit )
  • Unipolitik kann wie ein Korsett die Möglichkeiten im Job sowie auf der Karriereleiter einschränken
  • Viele administrative Aufgaben, sowie Geldbeschaffung, können langweilig, sehr aufwändig und frustrierend sein
IMG_2492
Natürlich handelt es sich hier nur um einige Punkte. Man mussbeachten, dass jeder persönlich entscheiden kann, was er als Positiv oder Negativ betrachtet. Als Beispiel die Mobilität; Als Akademiker sollte man Auslanderfahrung sammeln. Dies kann für jemanden bedeuten, dass er endlich die Chance bekommt ein anderes Land zu bereisen. Für einen Anderen würde es jedoch heissen, die geliebte Heimat, sowie Familie und Freunde verlassen zu müssen. Ein weiterer, individueller Bewertungspunkt ist das „Teaching“. Zum Akademikerberuf gehört die Weiterbildung. Falls man keine Freude am Lehren hat kann dies ein Punkt auf der Contraliste bedeuten. Ausserdem lege euch ans Herz „den langen Weg nach Oben“, wie er in der Contra-Liste erwähnt wird, nicht unmittelbar als Negativ-Punkt abzuschreiben. Die anwesenden Akademiker haben bestätigt, dass man auch auf Umwegen sehr viel lernen und profitieren kann. Keiner schien seinen Weg zu bereuen.
blatt1
Natürlich sollte man sich vor einer langen Reise, sowie einer Karriere, gut überlegen ob sich die Mühe lohnt. So kann man sein Ziel immer vor Augen halten. Doch was ist mein persönliches Ziel? Hier zu hat uns „Stani“ ein Plakat präsentiert, mit dem wir unsere Pläne und Ziele validieren konnten. Ich war überrascht, wie man reagiert, wenn man sein eigenes Ziel plötzlich so genau unter die Lupe nehmen muss. Schaut euch doch auch mal das Plakat an und versucht, euer Ziel ehrlich zu beschreiben.

Nun, da die Gruppe ihre Ziele manifestiert hatte, bekamen wir die Möglichkeit mit einem „persönlichen Aktionsplan“ unser weiteres Vorgehen zu Planen. Wie ein Raster aufgebaut, konnte man sich nun einen „Stundenplan seiner Zukunft“ zusammenstellen. Punkte sind:

  • Selbst-Reflexion ( Für die, die ihre Ziele neu definieren wollen )
  • Informationsbeschaffung (Wie komme ich an mein Ziel?)
  • Diskussion mit Partner ( Für alle mit einer besseren Hälfte )
  • Netzwerke und Kontakte (mit eine Prise Vitamin B schmeckt es bekanntlich besser...)
  • Ziele und Pläne ( Plan A, Plan B etc.)
  • Eigenes Verhalten/ Wertvorstellungen (Sollte ich etwas ändern an meinem Verhalten? Stehen mir falsche Wertvorstellungen im Weg? )
  • Schnuppern/ sich erkunden gehen
  • Selbstmarkierung/ was ist meine Einzigartigkeit? ( Was man gern macht, macht man meistens besser als etwas, das einem „Stinkt“ )
  • Kompetenzen ( = Soft Skills )

Die Punkte konnte man weiter definieren durch:

  • Was genau?
  • Bis wann?
  • Mit wem/ wo?

Es war eine gute Erfahrung, an zwei Tagen die eigenen Interessen und Pläne zu manifestieren und mit Anderen darüber zu sprechen. Ob mit oder ohne Hilfsmittel, ob im Gespräch mit Professoren oder anderen Studis versuchte man sich im klaren zu werden, wie man die eigene Zukunft sieht.

Zum Glück waren wir an diesem Wochenende in Nottwil im Seminarhotel und nicht zuhause am Ausschlafen. Das frühe Aufstehen hat sich durch die Eröffnung von neuen Zukunftsperspektiven definitiv gelohnt!

gruppenfoto

Autorinnen: Juliette Wipf und Raphaela Schibler